QUO VADIS: WEST- ODER OSTROUTE? Mit Tunesien und Marokko (siehe Seite 72 ff.) gibt es zwei Länder für einen soften Start ins Abenteuer Afrika. Doch wenn es weiter nach Süden gehen soll, stellt sich die Frage, ob man lieber die West- oder die Ostroute wählen soll, denn der klassische Einstieg über Algerien und weiter über Mali und/oder Niger ist schon seit vielen Jahren mit absolut unkalkulierbaren Risiken verbunden. Die Ostroute hat grundsätzlich den Vorteil, dass man auf dem Weg nach Süden weniger Länder passiert, wodurch sich die Zahl der Grenzübertritte reduziert. Das spart viel Geld und Nerven. Andererseits gibt es an der Grenze zwischen Ägypten und dem Sudan häufig Schwierigkeiten mit der Verzollung der Motorrä- der. Nicht selten ist diese Grenze sogar für längere Zeit komplett geschlossen. Auch ist es wegen der anhaltenden Regierungskrise im Sudan derzeit kaum möglich, ein Visum für dieses Land zu erhalten, weiß Joe Küster, Inhaber des Reiseveranstalters Over- cross An sich unproblematischer ist die Westroute über Marokko, Westsahara, Mauretanien, Senegal usw. Doch hier beanspruchen zahllose Grenzübergänge die Geduld des Reisenden. Grundsätz- lich sollte auf der Westroute eine Strecke in Küstennähe gewählt werden, da die Sicherheitslage dort in den meisten Ländern bes- ser ist als im Landesinneren, empfiehlt Sandra, die gemeinsam mit ihrer Partnerin Fiona als ADV Travel Bug diese Route jüngst befahren hat. E X P E R T E N-T I P P : JOE KÜ S T E R Die Grenze Ägypten-Sudan Offiziell ist der Grenzübergang zwischen Ägypten und dem Sudan geschlossen. Dennoch kommen immer wieder Indivi- dualtouristen durch. Allerdings ist Geduld gefragt. Wichtig ist, für den Sudan ein reguläres Visum und KEIN Durchrei- sevisum zu beantragen. Letzteres ist nämlich nur drei Tage gültig. Zusätzlich ist für den Sudan ein Travel Permit erforderlich (100 Euro). »Für die Ausreise aus Ägypten über Wadi Halfa solltet ihr auf jeden Fall drei Tage einplanen. Überprüft unbedingt euer Carnet, ob alle Daten (Fahrzeug, Motornummer etc.) hundertprozentig korrekt eingetragen sind. Schon ein kleiner Zahlendreher kann euch in riesige Schwierigkeiten bringen. Und es ist auch nicht verkehrt, einen Batzen Schmiergeld einzuplanen…«, rät Joe Küster. »Die Einreise in den Sudan verläuft dann unproblematisch – sofern ihr ein korrektes Visum besitzt. Bleibt unbedingt aktuell über die einschlägigen Kanäle informiert.« Update 3.5.2023: Zur aktuellen Situation siehe Seite 101 »Reisewarnungen« 96 PAPIERKRAM Angesichts der Vielzahl benötigter Dokumente kommen sich Motorradreisende in Afrika gelegentlich vor wie ein Büro auf zwei Rädern. Unerlässlich ist ein Reisepass, hinzukommen ein internationaler Fahrzeugschein sowie der internationale Führerschein. Nicht fehlen darf das Carnet de Passages, um das Motorrad zollfrei ein- und ausführen zu können. Von allen Dokumenten am besten Kopien anfertigen, die getrennt von den Originalen verwahrt werden. In einigen Staaten ist ein Nachweis über die Gelbfieber- und Covid-Impfung erforderlich (Impfpass). Die heimische Kfz-Haftpflichtversicherung gilt in Marokko und Westsahara. Danach gilt es, bei jedem Grenzübertritt eine neue Police zu erwerben. Das ist meist nicht teuer – aber lästig. In den ECOWAS-Staaten, einer Wirtschaftsgemeinschaft, zu der unter anderem der Senegal oder auch Nigeria gehören, gibt es eine grenzübergreifende Versicherung. »Die Versicherungen sind meist billig, haben aber nur eine geringe Deckung. Sie sind lediglich eine Basisabsicherung, für den Fall, dass ihr mit eurem Motorrad einen Schaden anrichtet. Rechnet allerdings nicht damit, dass die lokale Versicherung dafür auommt, wenn ihr beispielsweise an einem einheimischen Fahrzeug einen Bagatell- schaden verursacht«, erläutert Sandra von ADV Travel Bug. Einen Spezial-Tipp hat Sandra für Reisen in Westafrika, der sich beson- ders im Senegal bewährte: »Erstellt einen ‚Fiche‘. Das ist ein ein- faches Stück Papier, auf dem ihr selbst Informationen über euch und euer Motorrad zusammentragt. Das Fiche wird euch viel Zeit sparen, wenn ihr es bei den allfälligen Kontrollen vorlegt.«